Da gibt sich Deutschland in einem Rausch von 5 Millionen Arbeitslosen dem gefühlten Aufschwung hin, feiert die Kanzlerin und brilliert auf internationalem Parkett - während in Köln der FC zum wiederholten Male im Abstiegskampf ist, die halbe Stadtverwaltung eine Vorladung bei der Staatsanwaltschaft hat und alle Medienunternehmen still und heimlich nach Berlin ziehen.
Sympathisch. Ich mag Städte, die gegen den Strom schwimmen. Man muss auch mal Zeichen setzen können.
Studentenparties finden grundsätzlich unter der Woche statt. Am nächsten Morgen hat ja eh ein Großteil der anwesenden Gäste nichts zu tun.
An dieser Stelle ist nun anzumerken, dass man sagen könnte, dass sie auch "nicht wirklich" etwas zu tun haben, obwohl das ein Anglizismus ist. Warum, erläutere ich immer gerne bei Small Talks auf Studentenparties.
Gestern abend war ich auf so einer Party, organisiert von der Fachschaft Ethnologie der Universität Köln zu Gunsten der Amnesty International Hochschulgruppe in Köln. Alles total politisch korrekt - hier trinkt man sein Bier gerne.
Das Publikum - wie erwartet - bestand aus Ethnologie-Studenten, die sich im Schlamm ihres eigenen Klischees suhlten. Von der Rasta-Trägerin bis zum Rasta-Träger, von der 70er-Jahre Second-Hand Bekleidung bis zum süsslichen Sportzigarettenduft, von der Dancehall- bis zur Reggae-Playlist des DJs wurde die Corporate Identity eingehalten.
Auf diesem Sammelsurium des linken Spektrums unserer Gesellschaft, in Anwesenheit der Amnesty International Hochschulgruppe, wurde ich diskriminiert.
Beim Hinausgehen bekam ich einen Stempel auf die rechte Hand, der mir den Wiedereinlass ermöglichen sollte. Dieser Stempel, er war eine subtile Diskriminierung in perfider Form: Ich, der Linkshänder, bekomme auf die rechte Hand einen Stempel auf dem steht: Bitte leserlich schreiben.
Danke.
ohrenflimmern
Grandiose erste Sätze braucht das Land. Ob diese nun im Zeichen des Geschlechtsverkehrs oder aber, noch banaler, im Zeichen des Geheimkonzerts der Strokes in Berlin stehen - das Jahr 2005 war das Jahr der Vorschusslorbeeren. Aber wer kann's verdenken. Nach dem musikalisch dürftigsten ersten Halbjahr des neuen Jahrtausends (was für eine zeitliche Einordnung - das hört sich an, als wenn ich total die Ahnung hätte) kamen gefühlte 2.341 Bands aus Schweden, England, New York und Kanada, die antraten den Rock'n'Roll zu retten, neu zu erfinden oder, frei nach Barthes, zu dekonstruieren - den Text fortzuschreiben, der nie Werk werden wird.
Ich möchte ein Plädoyer ablegen: Für den eigenen Musikgeschmack, das Vertrauen in das eigene Rhythmusgefühl, das eigene Gehör für geniale Melodien, die Sucht nach dem Text, der Schmerz ist. Denn ich möchte von Musikredakteuren nie mehr Sätze lesen wie "Balu ist das zentrale Stück der Platte" oder "48 Stunden ist das Lied der Stunde" (ja, es stand so da - welch hirnverwundener Humor). Wenn, dann möchte ich meinen eigenen Schmerz mitbringen und auf die Platte legen. Und dann ist es "die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern", die mir nahe geht. Dafür brauche ich keine diskursiv ausgefeilte Begründung aus der Spex - das Gefühl stimmt einfach.
Und wenn ich die Kritiken in der aktuellen Musikexpress lese, dann möchte ich bei denen in den Redaktionstisch beißen, bei Saturn Regale anzünden und mich bei all' den Freunden bedanken, die mir in den letzten Jahren verläßliche Anspieltipps gegeben haben und dem Underground Record Store am Hansaring für sein exellent sortiertes Gesamtwerk danken.
Bildet Banden.
Panzerschlacht im Sommerregen.
Im neuen JMT-Büro hängt jetzt ein tolles Banner. Ory hat's an die Wand genagelt.
JMT? Jugendmedientage!
-www.jugendmedientage.de-
Stressiger Samstag, der gut anfängt:
Erst Ausschlafen und dann in großer WG mit Blick über Berlin-Friedrichshain frühstücken mit Brötchen aus der "fröhlichen Bäckerei".
Dann ab nach Wannsee ins Wannseeforum die anderen Verrückten treffen und einen tollen Kongress auf die Beine stellen: http://www.jugendmedientage.de
Abends dann ab nach Berlin-Schönefeld das Flugzeug zurück nach Köln erwischen. Ganz knapp - 5 Minuten vor Schalterschluss rein in das Ding. Dann: Tragflächen vereist ("Meine Damen und Herren, unser Abflug verzögert sich um 45 Minuten". Ich verpasse das Konzert.
23:30 - Endlich in Köln, endlich im Blue Shell. Komme rein, als Thees Ulmann gerade seine letzte Zugabe beginnt. Tolles Lied.
Danach noch Thees angequatscht, ob er zu dem Kongress kommen will, um dort seine Idee von Musik vorzustellen. Er hat zugesagt ("Wenn Ihr mein BVG-Ticket bezahlt, mach ich das").
Stressiger Samstag, der gut zu Ende geht.