es wird immer alles anders

staunen

Wer Visionen hat...

"Heutige Welt-Kunst"
*
Anders seyn, und anders scheinen;
Anders reden, anders meynen;
Alles loben, alles tragen;
Allen heucheln, stets behagen;
Allem Winde Segel geben;
Bösen, Guten dienstbar leben;
Alles Thun und alles Dichten
Bloß auf eignen Nutzen richten;
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.
*
Friedrich von Logau (1759)

1 Kommentar 26.3.06 10:44, kommentieren

Ubi bene ibi Colonia

Da gibt sich Deutschland in einem Rausch von 5 Millionen Arbeitslosen dem gefühlten Aufschwung hin, feiert die Kanzlerin und brilliert auf internationalem Parkett - während in Köln der FC zum wiederholten Male im Abstiegskampf ist, die halbe Stadtverwaltung eine Vorladung bei der Staatsanwaltschaft hat und alle Medienunternehmen still und heimlich nach Berlin ziehen.

Sympathisch. Ich mag Städte, die gegen den Strom schwimmen. Man muss auch mal Zeichen setzen können.

3 Kommentare 4.2.06 14:27, kommentieren

Wie ich auf einer Ethnologenparty diskriminiert wurde

Studentenparties finden grundsätzlich unter der Woche statt. Am nächsten Morgen hat ja eh ein Großteil der anwesenden Gäste nichts zu tun.
An dieser Stelle ist nun anzumerken, dass man sagen könnte, dass sie auch "nicht wirklich" etwas zu tun haben, obwohl das ein Anglizismus ist. Warum, erläutere ich immer gerne bei Small Talks auf Studentenparties.
Gestern abend war ich auf so einer Party, organisiert von der Fachschaft Ethnologie der Universität Köln zu Gunsten der Amnesty International Hochschulgruppe in Köln. Alles total politisch korrekt - hier trinkt man sein Bier gerne.
Das Publikum - wie erwartet - bestand aus Ethnologie-Studenten, die sich im Schlamm ihres eigenen Klischees suhlten. Von der Rasta-Trägerin bis zum Rasta-Träger, von der 70er-Jahre Second-Hand Bekleidung bis zum süsslichen Sportzigarettenduft, von der Dancehall- bis zur Reggae-Playlist des DJs wurde die Corporate Identity eingehalten.
Auf diesem Sammelsurium des linken Spektrums unserer Gesellschaft, in Anwesenheit der Amnesty International Hochschulgruppe, wurde ich diskriminiert.
Beim Hinausgehen bekam ich einen Stempel auf die rechte Hand, der mir den Wiedereinlass ermöglichen sollte. Dieser Stempel, er war eine subtile Diskriminierung in perfider Form: Ich, der Linkshänder, bekomme auf die rechte Hand einen Stempel auf dem steht: Bitte leserlich schreiben.
Danke.

4 Kommentare 27.1.06 20:08, kommentieren

Advice from a Caterpillar - Recent thoughts about personal identity

"Who are you?", said the Caterpillar.

[...]

"I-I hardly know, sir, just at present - at least I know who I was when I got up this morning, but I think I must have been changed several times since then."

[...]

"Explain yourself!"

"I can't explain myself, I'm afraid, sir", said Alice, [...]

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Lewis Carroll war ein Genie. Er hat in wenigen Sätzen die Problematik der Definition von persönlicher Identität erfasst. Und dazu ein Bild entworfen, dass so breit gefächert ist, dass man es kaum beschreiben kann.

1. Ein Tausendfüßler, der auf einem Pilz (Parasit) sitzt, formt mit einer Wasserpfeife Vokale (a-e-i-o-u) in die Luft. Vokale sind die einzigen Buchstaben unseres Alphabets, die für sich selbst stehen können - ohne Mit-Laut (Kon-Sonanten). Sie haben, ohne fremde Hilfe, eine Bedeutung.

2. Der Tausendfüßler ist ein Tier, dass eine Metarmorphose durchläuft. Er puppt sich ein und entwickelt sich zum Schmetterling. Die Identität ändert sich - oder bleibt sie dieselbe? Es kommt anscheinden auf den Bezugsrahmen an.

3. Alice wird von dem Tausendfüßler mehrfach gefragt: "Wer bist du?" - sie weiss es nicht. Alles was sie weiß, ist, wer sie war. Und das sie seitdem mehrfach eine Veränderung durchlaufen hat. Der Bezugsrahmen ändert sich - im Buch verdeutlicht durch physische Veränderung (Größe).

4. Es bleibt also die Feststellung, dass Identität (persönliche) ein Prozess ist, der vom einzelnen immer wieder zu bewerkstelligen ist und am Schnittpunkt von gesellschaftlicher Interaktion ("Who are you?") und individueller Biographie ("I know who I was") die Konstruktion und Revision von Selbstbildern benötigt.

1 Kommentar 6.11.05 16:16, kommentieren

Second best is never enough...

Es ist wieder soweit. Madonna kommt. Sie hat ein neues Album produziert. Sie hat Abba um ein Sampel angebettelt. Gimme Gimme Gimme! hat sie gesagt - und bekommen. Und bald wird sie wieder überall sein mit ihrer 70er, 80er, 90er Retro-Selbstneuerfindungsshow. Ironisch gebrochen - natürlich. Und mit neuer Frisur. Aber das ist ja auch wieder nur ein genialer Kommentar der momentanen Popkultur. Muss ein komisches Leben sein. Ich möchte nie nach England ziehen müssen, weil es hip ist.

2 Kommentare 31.10.05 13:09, kommentieren